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We Have Band
We Have Band: Ternion
Lange hatten sie nur ihren Namen und eine Idee – erst auf seinem Zweitwerk "Ternion" entwickelt das britische Indietronic-Trio We Have Band auch einen eigenständigen Sound, der durch düstere Magie und rhythmische Klangkostüme überzeugt.

(Foto: Tom Medwell)
Am Anfang stand die Idee – kein Plan, geringe musikalische Fertigkeiten, geschweige denn Bühnenerfahrung. Als Dede Wegg-Prosser irgendwann 2007 ihrem Kollegen und Freund Darren Bancroft mitteilte, sie habe mit ihrem Mann Thomas ein Musikprojekt gegründet, war dieser in erster Linie von dessen Namen angetan. We Have Band – so einfach, so passend. Aus dem Spaß wurde zwar nicht sofort Ernst, doch Stück für Stück kam das Trio mehr in der Öffentlichkeit an, spielte Gigs in kleinen Bars und nicht ganz so kleinen Clubs und fand seine Tracks bald auch in der Blogosphäre wieder. We Have Band waren im Rahmen der aufkeimenden Elektrifizierung der Indie-Pop-Welle zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Nach Veröffentlichung von Songs beim renommierten französischen Hip-Label Kitsuné folgte 2010 das Debüt "WHB", bei dem immerhin der ehemalige Depeche Mode-Produzent Gareth Jones an den Reglern saß. Das Album bot eine gute Hand voll tanzbarer Indietronic-Hits, die zwar allesamt noch nicht sonderlich ausgereift und tiefgründig waren, aber einen gewissen Charme nicht leugnen konnten. Das Debüt war keine Krönung einer Entwicklung, es stellt eher den Anfang selbiger dar.
We Have Band - "Where Are You People?"
"Ternion" ist die lateinische Bezeichnung für eine Gruppe aus drei Personen, weshalb das so betitelte neue Album von We Have Band sich auch mit dem Verhältnis der Drei untereinander beschäftigen soll. Die LP ist vorläufiger Endpunkt der musikalischen Evolution des einstigen Wohnzimmerprojekts, welches mittlerweile schlussendlich durch unzählige Live-Shows und Studioaufnahmen zu einer wirklichen Einheit gewachsen ist. Denn auf einmal, so Thomas, stand man vor dem Problem, dass sich tatsächlich Leute für ihren musikalischen Output interessierten. Schon allein deshalb gibt sich der neue Langspieler deutlich gereifter, ernster und zielgerichteter. Der musikalische Qualitätssprung geht allerdings nicht zu Lasten der ursprünglichen Stärken – "Ternion" durchweht ein kontinuierlicher Groove, der zum Mitwippen und wahlweise Tanzen einlädt. Der Anteil elektronischer Spielereien wurde deutlich heruntergeschraubt, New-Wave-Gitarren im Stile der Foals ("Tired Of Running") oder New Order ("Visionary") übernehmen die Führung und auch der Drum-Computer wurde zugunsten eines echten Schlagzeugs geschont.
"Shift" gibt sich als Opener erst verhalten und undurchsichtig, bricht dann aber im letzten Drittel aus und reitet auf einem treibenden Beat zu den nachfolgenden Ohrwürmern "After All" und "Where Are You People?" hinüber. Das restliche Album bleibt diesem Stil in Variationen treu und entlässt uns schlussendlich mit dem shoegazig-sphärischen "Pressure On" in die Nacht. Erst mit dem finalen Song scheint sich die gewisse Spannung in der Luft zu lösen. Eine angenehme Schwere ist es, welche das Werk durchzieht – gerade im Kontrast zum Debüt. "Ternion" spiegelt alle Höhen und Tiefen des Bandgefüges in den letzten Jahren wider. Ihr charismatischstes Merkmal bleibt dabei glücklicherweise bestehen – der Wechsel- beziehungsweise Harmoniegesang der drei Protagonisten. Darrens soulige Stimme gewinnt gegenüber dem Erstling noch einmal dazu, während Dede das zerbrechliche weibliche Gegenstück bildet und sich Ehemann Thomas diesmal eher auf seinen musikalischen Part besinnt.
We Have Band - "Visionary"
Trotz all der sinistren Aspekte fristet "Ternion" kein Dasein in Depression, sondern gibt sich kämpferisch, experimentierfreudig und aufgewühlt. Zumal sich We Have Band auch nicht in den häufig beim Zweitalbum auftretenden Größenwahn flüchten und nun pompösen Formatradio-Sound machen. Die Musik ist in ihrem Wesen immer noch intim und versprüht einen stets präsenten Newcomer-Charme. Nur das Wesen dieser Intimität hat sich geändert – sie ist aufrichtiger, inhaltlich gewichtiger und eigenständiger. Diese Entwicklung des Londoner Triumvirats gehört zu den interessantesten Überraschungen des noch jungen Popjahres.
Norman Fleischer
VÖ: 27.01.12
Label: Naive / Indigo
Tracklist:
01. Shift
02. After All
03. Where Are Your People?
04. Visionary
05. What’s Mine, What’s Yours
06. Steel In The Groove
07. Tired of Running
08. Watertight
09. Rivers of Blood
10. Pressure On

(Foto: Tom Medwell)
Am Anfang stand die Idee – kein Plan, geringe musikalische Fertigkeiten, geschweige denn Bühnenerfahrung. Als Dede Wegg-Prosser irgendwann 2007 ihrem Kollegen und Freund Darren Bancroft mitteilte, sie habe mit ihrem Mann Thomas ein Musikprojekt gegründet, war dieser in erster Linie von dessen Namen angetan. We Have Band – so einfach, so passend. Aus dem Spaß wurde zwar nicht sofort Ernst, doch Stück für Stück kam das Trio mehr in der Öffentlichkeit an, spielte Gigs in kleinen Bars und nicht ganz so kleinen Clubs und fand seine Tracks bald auch in der Blogosphäre wieder. We Have Band waren im Rahmen der aufkeimenden Elektrifizierung der Indie-Pop-Welle zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Nach Veröffentlichung von Songs beim renommierten französischen Hip-Label Kitsuné folgte 2010 das Debüt "WHB", bei dem immerhin der ehemalige Depeche Mode-Produzent Gareth Jones an den Reglern saß. Das Album bot eine gute Hand voll tanzbarer Indietronic-Hits, die zwar allesamt noch nicht sonderlich ausgereift und tiefgründig waren, aber einen gewissen Charme nicht leugnen konnten. Das Debüt war keine Krönung einer Entwicklung, es stellt eher den Anfang selbiger dar.
We Have Band - "Where Are You People?"
"Ternion" ist die lateinische Bezeichnung für eine Gruppe aus drei Personen, weshalb das so betitelte neue Album von We Have Band sich auch mit dem Verhältnis der Drei untereinander beschäftigen soll. Die LP ist vorläufiger Endpunkt der musikalischen Evolution des einstigen Wohnzimmerprojekts, welches mittlerweile schlussendlich durch unzählige Live-Shows und Studioaufnahmen zu einer wirklichen Einheit gewachsen ist. Denn auf einmal, so Thomas, stand man vor dem Problem, dass sich tatsächlich Leute für ihren musikalischen Output interessierten. Schon allein deshalb gibt sich der neue Langspieler deutlich gereifter, ernster und zielgerichteter. Der musikalische Qualitätssprung geht allerdings nicht zu Lasten der ursprünglichen Stärken – "Ternion" durchweht ein kontinuierlicher Groove, der zum Mitwippen und wahlweise Tanzen einlädt. Der Anteil elektronischer Spielereien wurde deutlich heruntergeschraubt, New-Wave-Gitarren im Stile der Foals ("Tired Of Running") oder New Order ("Visionary") übernehmen die Führung und auch der Drum-Computer wurde zugunsten eines echten Schlagzeugs geschont.
"Shift" gibt sich als Opener erst verhalten und undurchsichtig, bricht dann aber im letzten Drittel aus und reitet auf einem treibenden Beat zu den nachfolgenden Ohrwürmern "After All" und "Where Are You People?" hinüber. Das restliche Album bleibt diesem Stil in Variationen treu und entlässt uns schlussendlich mit dem shoegazig-sphärischen "Pressure On" in die Nacht. Erst mit dem finalen Song scheint sich die gewisse Spannung in der Luft zu lösen. Eine angenehme Schwere ist es, welche das Werk durchzieht – gerade im Kontrast zum Debüt. "Ternion" spiegelt alle Höhen und Tiefen des Bandgefüges in den letzten Jahren wider. Ihr charismatischstes Merkmal bleibt dabei glücklicherweise bestehen – der Wechsel- beziehungsweise Harmoniegesang der drei Protagonisten. Darrens soulige Stimme gewinnt gegenüber dem Erstling noch einmal dazu, während Dede das zerbrechliche weibliche Gegenstück bildet und sich Ehemann Thomas diesmal eher auf seinen musikalischen Part besinnt.
We Have Band - "Visionary"
Trotz all der sinistren Aspekte fristet "Ternion" kein Dasein in Depression, sondern gibt sich kämpferisch, experimentierfreudig und aufgewühlt. Zumal sich We Have Band auch nicht in den häufig beim Zweitalbum auftretenden Größenwahn flüchten und nun pompösen Formatradio-Sound machen. Die Musik ist in ihrem Wesen immer noch intim und versprüht einen stets präsenten Newcomer-Charme. Nur das Wesen dieser Intimität hat sich geändert – sie ist aufrichtiger, inhaltlich gewichtiger und eigenständiger. Diese Entwicklung des Londoner Triumvirats gehört zu den interessantesten Überraschungen des noch jungen Popjahres.
Norman Fleischer
VÖ: 27.01.12
Label: Naive / Indigo
Tracklist:
01. Shift
02. After All
03. Where Are Your People?
04. Visionary
05. What’s Mine, What’s Yours
06. Steel In The Groove
07. Tired of Running
08. Watertight
09. Rivers of Blood
10. Pressure On
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