Hurley

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Kein neuerliches Powerpop-Meisterwerk aber zehn Songs, die Spaß machen: Mit "Hurley" beweisen Weezer, dass sie es auch nach 18 Jahren noch können. 

Böse Zungen behaupten ja, dass Weezer ihr Pulver nach ihrem dritten, dem "grünen" Album aus dem Jahre 2001 bereits verschossen hatten und seitdem lediglich Mittelmaß veröffentlicht haben. Und tatsächlich: Das an 80er-Metal angelehnte und kommerziell wenig erfolgreiche "Maladroit" (2002); das, vor allem aufgrund der Single "Beverly Hills" in Erinnerung gebliebene "Make Believe" (2005); das dritte selbstbetitelte Album (2008) und schließlich das im vergangenen Jahr erschienene "Ratitude" wurden allesamt von Fans und Kritikern mindestens kontrovers diskutiert. Dies liegt vor allem daran, dass Weezer selbst die Messlatte mit ihrem großartigen Debüt (1994) und dem ebenso brillanten, wenngleich deutlich düstereren Nachfolger "Pinkerton" (1996) schon früh in ihrer Karriere sehr hoch gelegt haben. Auch mit "Hurley" kommen Weezer nicht ganz an die alte Größe heran. Dennoch dürften Fans des Quartetts um Rivers Cuomo allemal Spaß mit ihrem achten Werk haben.

Schon die ersten beiden Songs "Memories" und "Ruling Me" sind so eingängig und hitverdächtig, dass es eine wahre Freude ist. Powerpop in all seiner Pracht. Schnell stellt sich auch beim Hörer ein ähnlich zufriedenes Lächeln ein, wie es Hurley aus der TV-Serie Lost auf dem Cover der Platte für uns bereit hält, was auch an Rivers Cuomos geistreichen Texten liegt. So nehmen Weezer uns im Opener etwa mit auf eine Zeitreise in die 90er Jahre ("When Audioslave were still Rage").

Weezer - Memories


Melancholisch wird es dann in "Unspoken". Zunächst von Akustikgitarren, Querflöten, Violinen und Cuomos klagendem Gesang getragen, entwickelt sich der Song schließlich noch zu einem wütenden Alternative-Rocker. Im anschließenden "Where's My Sex" übertreibt es der Frontmann dann aber etwas mit der Ironie. Eigentlich handelt der Song von seinen Socken, allerdings ersetzt er das Wort sox im Song durch sex. Nicht sonderlich einfallsreich für einen ehemaligen Harvard-Studenten. Ein Highligt ist dagegen "Brave New World". Der Song ist ebenfalls etwas düsterer geraten, obwohl die Lyrics doch einen hoffnungsvollen Blick aufweisen ("I don't know where I'm going but I know I will figure it out").

Im abschließenden "Time Flies" bringt Rivers Cuomo den Eindruck, den man von diesem Album gewonnen hat, selbst auf den Punkt: "Time flies when you're having fun". Denn Spaß hat man allemal mit "Hurley". Auch wenn das Album weniger atmosphärisch ist als etwa "Pinkerton". Im Weezer-internen Ranking schafft es "Hurley" aber zumindest auf einen guten vierten Rang und dürfte Kritikern der Band, die Weezer schon abgeschrieben hatten, den Wind aus den Segeln nehmen.

Thomas Kasperski


VÖ: 10.09.2010

Label: Epitaph

Tracklist:

01. Memories
02. Ruling Me
03. Trainwrecks
04. Unspoken
05. Where's My Sex?
06. Run Away
07. Hang On
08. Smart Girls
09. Brave New World
10. Time Flies
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