Smother

Alben von Wild Beasts

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Kunstgesang und ein Hauch von Mitwippen – eindringlich, fragil und mit hintergründigem Wirkpotenzial.

Am Anfang ist da nur dieser eigentümliche Falsettgesang, bevor ein paar hingetupfte Pianoklänge endgültig klar machen, dass es die Wild Beasts diesmal ernst meinen. Noch auf ihrem letzten Album, dem allseits hoch gelobten „Two Dancers“,  hatten die Engländer sich dem Dancefloor verschrieben, wenn auch nicht im üblichen Sinne, einen eigenen Kopf und ein eigenes Soundverständnis hatten sie ja schon immer. Aber in den gerade mal drei Jahren ihrer jüngeren Geschichte und den jetzt drei Alben auf dem Domino-Label haben sie eine auch für ihre Verhältnisse erstaunliche Entwicklung genommen.

Wild Beasts – „Albatross“ (Live zum Record Store Day im Londoner Rough Trade East)

Nur noch im Ausnahmefall, wie in „Bed Of Nails“, lassen sie es zu, dass ein verhaltener Groove nach oben durchbricht und zumindest eine Außenseiterchance erhält, sich auf Augenhöhe mit Hayden Thorpes dominierender Stimme zu messen, die nahe am Kunstgesang agiert. Überhaupt, „Smother“ gelingt die erstaunliche Gratwanderung, dem nahezu aufdringlich dominierenden Gesang alles – eh schon sparsam eingesetzte – Instrumentarium unterzuordnen und trotzdem noch Geschlossenheit in der Anmutung zu erreichen; den durchweg fragilen Charakter zu bewahren und dabei nicht ins all zu arg Wehleidige abzugleiten.

Schön auch, dass diese Songs in aller ihrer melancholischen Erhabenheit, in ihrer offensiv nach vorn gestellten Intimität und Verletzlichkeit letztendlich doch eine gewisse Skizzenhaftigkeit bewahrt haben, eine hintergründige Leichtfüßigkeit, angetrieben von einem leise pluckernden Groove vielleicht oder einem kleinen hartnäckigen Gitarrenlick, das sich nicht unterkriegen lässt. „Smother“ bietet diese wunderbar flüchtigen Momente von Pop zu Hauf. Man muss seine Wahrnehmung einfach ein wenig am Gesang vorbei fokussieren, um das in aller Pracht zu entdecken, darf sich nicht vom kammerpathetischen Ersthör-Eindruck erschlagen lassen. Wer den überstanden hat, dem offenbart sich in der Tat ein herzerwärmendes Album-Kleinod. Mit einem Hauch von Mitwipp-Qualität.

Augsburg


VÖ: 6.5.2011

Label: Domino / Rough Trade

Tracklist:
1. Lion’s Share
2. Bed Of Nails
3. Deeper
4. Loop The Loop
5. Plaything
6. Invisible
7. Albatross
8. Reach A Bit Further
9. Burning
10. End Come Too Soon

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