Evolve Or Be Extinct

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Schnell, kurz, laut, rumpelnd und ohne Kompromisse: Grime ist wieder da, auch wenn es nur Wiley ist, der auf ihm beharrt.

Gerade mal ein gutes halbes Jahr ist seit "100% Publishing" vergangen, dem Vorgängeralbum, auf dem Wiley relativ unversehens wieder zu den Qualitäten seiner ganz frühen Tage zurück fand. Diese kurze Zeitspanne lässt sich so natürlich auch als Hinweis für die grundlegenden Eigenschaften von Grime ansehen: Es braucht keine aufwendige Produktion, kein ewiges Studiogefrickel, keine 48 Spuren, um zu sagen, was man zu sagen hat. Auf diesem Album wird das auch musikalisch noch mal anschaulich verdeutlicht. Noch weniger verspielt, noch weniger vom ursprünglichen Grime-Gedanken abrückend, noch trockener und direkter agiert Wiley hier.

Natürlich gehört ein großes Maul zu den Tugenden des Post-Jungle-Post-HipHop-Pre-Dubstep-Genres, auch diesbezüglich war Wiley noch nie einer von denen, die in der zweiten oder dritten Reihe anstanden. "Evolve Or Be Extinct" ist eine Ansage, die ja durchaus nach hinten losgehen kann, gerade, weil man Grime gemeinhin nicht mehr auf der Liste der gerade angesagten Trends hat. Entwickeln oder Aussterben – das scheint auf den ersten Blick nicht zu passen, wenn man sich in der musikalischen Evolution eher ein paar Jahre zurückorientiert. Allerdings hatte Wiley ja schon alles durch, das Popstar-Ding schien letzten Endes dann doch nicht seins zu sein. Wie weit man das treiben kann, hat er ja an seinem Kollegen Dizzee Rascal sehen können, der am Ende zwischen allen Stühlen saß – und das war eben kein Anzeichen von Fortschritt oder Grenzüberschreitung, sondern ein zumindest künstlerisch zweifelhafter Versuch, es allen Recht zu machen.

Wiley – "Boom Blast"


Allen Recht macht es dieser Wiley jedenfalls nicht. Schon soundtechnisch ist "Evolve Or To Be Extinct" ein Manifest des Rumpelns, Schepperns und Schnarrens. Das wird dominiert von rüde herausgepolterten Stolperbeats, minimalistischen Melodie-Rülpsern, schneidenden Casio-Effekten und einem unablässig umhertigernden Gesamtrhythmus voller innerer Unruhe, aber eben auch Kraft. 


Straight souverän und mit gewohnt rotzigem Grundton gehts ohne Umschweife zur Sache, Text ist Waffe, Schweigen tödlich. Bis herunter zum Minihörspiel reicht die Stilmittelpalette, was gewissermaßen das Höchstmaß möglichen Purismus ist. Das Tolle an Wiley ist, dass man ihm dies alles tatsächlich als Fortschritt anrechnet, dass die Besinnung auf die Wurzeln wieder Spaß macht, dass man wieder das Gefühl hat, da geht noch Einiges mehr.

Augsburg


VÖ: 20.1.2012

Label: Big Dada / Ninja Tune / Rough Trade

Tracklist:
1. Welcome to Zion
2. Evolve or be Extinct
3. Link Up
4. Boom Blast
5. I'm Skanking
6. Weirdo
7. Scar
8. Can I have a taxi please?
9. Miss You
10. Money Man
11. Customs
12. Immigration
13. Only Human feat. Kashtastic
14. This is Just an Album



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