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Franz Ferdinand
Franz Ferdinand: You Could Have It So Much Better
Als die Vorab-Single "Do You Want To" des neuen Franz Ferdinand-Albums hier in der Redaktion eintrudelte, gab es erst einmal ein paar lange Gesichter. Jaja, das klang schon ganz gut, doch richtige Euphorie wollte sich auf Anhieb nicht einstellen. Da waren die Ansprüche an die Band, die runde drei Millionen Exemplare ihres selbstbetitelten Debüts unters Volk gebracht hatte, irgendwie... ja, nicht höher, es gefiel ja. Aber irgendwas irritierte.
Jedes Bedenken, hier kündige sich ein Desaster an, zerstreut das nun erscheinende Zweitwerk "You Could Have It So Much Better" jedoch schnell, wenn auch nicht auf Anhieb. Zur Überwindung der Verwirrung bedarf es drei bis vier Durchläufe.
Die Ausbrüche in Richtung balladesker Experimente halten sich nach der Ankündigung der Band, nach dem "Tanzalbum für Mädchen" nun eins schreiben zu wollen, das diese "zum Weinen bringen würde", zwar in Grenzen, doch verändert hat sich trotzdem einiges.
Wer jetzt eine völlige Umorientierung befürchtet, der sei beruhigt. Nach wie vor dominieren das marschierende Schlagzeug und die knallenden Gitarrenstakkatos das Bild, das seit seinem Erscheinen Vorlage für mehr als nur zwei, drei Bands war.
Trotzdem ist "You Could Have It So Much Better" anders. Weniger direkt als sein Vorgänger. Tanzbar, aber überlegter. Komplexer, aber nicht überladender. Nicht nur, dass einzelne Songs, in sich gebrochen, von einem Takt auf den anderen plötzlich eine komplett neue Richtung einschlagen. Auch die Stimmung vermittelt eine zunächst ungewohnte Distanziertheit und Reflektiertheit, die sich in einer Vielzahl von Querverweisen und Zitaten (Roxy Music, Kraftwerk, Beatles u.a.) ausdrückt.
Diese neue Distanz mag mit der Grund für die anfänglichen Schwierigkeiten sein, denn sie gestaltet ein einfaches "Abfeiern" schwieriger als noch beim Debüt. Das Album zwingt, sich mit ihm zu beschäftigen, und fordert mehr Aufmerksamkeit. Auf diese Weise gewinnt es jedoch, da die Auseinandersetzung mit ihm eine spannendere und somit lohnendere ist. Wer nur tanzen will, der kann das immer noch ganz vorzüglich tun. Franz Ferdinand jedoch sind gewachsen und spätestens mit "You Could Have It So Much Better" definitiv mehr als eine "Tanzkapelle".
Text: Moritz Honert




