Conatus

Alben von Zola Jesus

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Wer hätte das gedacht? Mit ihrem dritten Album "Conatus" präsentiert sich Nika Roza Danilova alias Zola Jesus in neuem Lichte und wagt sich erstmals in überraschend hellere Gefilde.

(Foto: Indra Dunis)

Ein großes Ziel vieler Künstler ist es, im Laufe ihrer Karriere einen musikalischen Status zu erlangen, der es der Öffentlichkeit unmöglich macht, ihr Schaffen zu kategorisieren und eine geeignete Genre-Schublade zu finden, in die man Bands und Einzelkönner nur allzu gerne parkt. Nika Roza Danilova alias Zola Jesus hatte dieses "Künstler-Problem" bereits mit ihrem Debüt "The Spoils" aus dem Jahr 2009 aus dem Weg geräumt und schwebt seither wie ein unterkühlter Synthie-Pop-Goth-Engel müde lächelnd in eigenen definitionsfreien Welten.

"Conatus" heißt ihr mittlerweile drittes und aktuelles Werk, und während die beiden Vorgänger vor allem damit glänzten, den Innenraum eines Gefrierschrankes mit der Hitze der Sahara zu füllen, ohne dass dieser seinen Geist aufgibt, beweist das Drittwerk der russisch-stämmigen Amerikanerin, dass der tiefe Wisconsin-Wald, aus dem die grazile 22-Jährige kommt, durchaus auch einen Lebensraum für Dur-Klänge bereithält.

Zola Jesus – "Vessel"

Dieses neue Gefühl von Positivität entfaltet sich vor allem auf Stücken wie "Skin" oder dem fast schon tanzbaren "Seekir". Natürlich liegt bedrückende Melancholie und hypnotische Tristesse noch immer wie ein tonnenschweres Schwert über dem Gesamtpaket, doch hin und wieder lugt auch ein zarter Sonnenstrahl hinter den düsteren Gedanken-Wolken hervor. Der hat es allerdings nicht immer leicht sich zu behaupten, und so drücken ihn Songs wie "Avalanche" oder "Vessel" mit dampfenden Industrial-Anleihen, sperrigen Beats und Goth-Wave-Elementen, sowie operettenhaften Gesangseinlagen einer Stimme, die einem nicht selten einen kalten Schauer über den Rücken jagen lässt, zurück ins Dunkel. Und dennoch: Im Vergleich zum Vorgänger "Stridulum II" wirkt das neuerliche Schaffen schon fast erhellend. Besonders die punktuell eingesetzten Streicher-Arrangements wirken oftmals wie das nötige Pflaster auf einer offenen Wunde und suggerieren Heilung und Hoffnung, anstelle von Angst und Depression.

Zola Jesus – "Seekir"

Einsame Japaner igeln sich von der Außenwelt ab, die Entscheidung zwischen Gehen und Bleiben wird als Überlebenskampf beschrieben und der Nervenzusammenbruch ist stetiger Gast im trauten Heim – lyrisch geht es kaum düsterer. Zola Jesus schwebt in Sphären zwischen aufkeimendem Vertrauen und dem morbiden Verlangen, das Gute stetig bedeckt zu halten. Anno 2011 benutzt sie dafür einen weißen Schleier, der zwar reißfest und kompakt verhüllt, aber dennoch Einblicke und Luft zum Atmen lässt.


Kai Butterweck

VÖ: 30.09.2011

Label: Souterrain Transmissions

Tracklist:
01. Swords
02. Avalanche
03. Vessel
04. Hikikomori
05. Ixode
06. Seekir
07. In Your Nature
08. Lick The Palm Of Your Burning Handshake
09. Shivers
10. Skin
11. Collapse



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