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Tonight: Franz Ferdinand

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Nach fast vier Jahren Arbeit und musikalischer Entwicklung in Richtung Elektro-Pop kommt nun das lang erwartete „Tonight: Franz Ferdinand“ auf den Markt, ein Soundtrack für kühle Großstadt-Nächte.

Im Vorfeld der Veröffentlichung von „Tonight: Franz Ferdinand“ hieß es, die Band wolle gegen die Unmengen formelhafter Gitarrenbands rebellieren und bewusst eine Stilwende vollziehen. Dabei bedienen sie jedoch nur einen weiteren Trend, nämlich Elektro-Elemente sowie 70er und 80er-Sounds in ihren Indie-Rock zu integrieren - eine Rechnung, die zudem nicht bei jedem Song aufgeht.
Franz Ferdinand punkten auf ihrem neuen Album vor allem, wenn sie an altbewährten Kompositionen anknüpfen. Songs wie die bereits ausgekoppelte Single „Ulysses“, das eingängige „No You Girls“ oder „Bite Hard“ sind treibende wenn auch etwas düstere Rock-Nummern, bei denen sich die synthetischen Klänge noch zurückhalten. Sympathisch auch das locker-leichte „Send Him Away“, das gegen Ende gut an Groove gewinnt. Ähnlich angenehme Abwechslung bietet „What She Came For“. Vom elektro-funkigen Einstieg bis zum deftigen Post-Punk-Ausgang ist Langeweile ausgeschlossen.

Dann folgt jedoch Titel Nummer acht namens "Live Alone"  und die Disco-Party scheint eröffnet. Mit Studio54 typischer Bassline und reichlich Synthie-Klängen liefern Franz Ferdinand hier belanglosen Pop ab, wie man ihn schon aus den 80ern zur Genüge kennt. Am selben Problem leidet auch „Can’t Stop Feeling“, selbst wenn sich hier zum Elektro-Flair vergangener Dekaden aktuellere synthetische Sounds gesellen.

Gänzlich unausgegoren ist der Titel „Lucid Dreams“: Was noch halbwegs eingängig und indie-rockig beginnt, wird zunehmend von verzerrter Elektronik überlagert. Nach fast fünf Minuten, wenn das Lied endlich zu verebben scheint, erfolgt überraschend der Übergang zu einem dreiminütigen Instrumental-Part zwischen Disco und House. Abschluss des Albums bilden die zwei Balladen „Dream Again“ und "Katherine Kiss Me", wobei nur letztere wirklich überzeugt. Von Akkustik-Gitarre begleitet, scheint Sänger Alex Kapranos einem direkt ins Ohr zu singen, was dem Titel eine sehr persönliche Note verleiht.

Franz Ferdinand - Ulysses



2006 waren Franz Ferdinand physisch, emotional und kreativ ausgebrannt. Die Verbarrikadierung in einem alten viktorianischen Rathaus in Glasgow sollte die Rettung sein. Durch Glaswolle und Ziegel schalldicht von der Außenwelt und leider auch jeglichem Tageslicht abgeschirmt, komponierten und experimentierten die Briten. Das entsprechend düster und kühle Ergebnis schwankt zwischen gelungenem Indie-Rock und Post-Punk sowie missglückten Versuchen Disco- und Elektro-Elemente zur Erfrischung zu integrieren.

Kai-Uwe Weser

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VÖ: 23.01.2009

Label: Domino

Tracklist:

01. Ulysses
02. Turn It On
03. No You Girls Never Know
04. Twilight Omens
05. Send Him Away
06. Live Alone
07. Bite Hard
08. What She Came For
09. Can't Stop Feeling
10. Lucid Dreams
11. Dream Again
12. Katherine Kiss Me

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