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The Ting Tings
The Ting Tings: Sounds From Nowheresville
Kanonenfutter für einen längst scheintoten Indie-Pop-Hype: Mit "Sounds From Nowheresville" liefern The Ting Tings das Sinnbild wirtschaftlich konstruierter Popmusik ohne Leidenschaft.

(Foto: Sony Music)
Es ist ein absonderliches Phänomen, mit welcher Unverwüstlichkeit sich ein seit Jahren übersättigtes Indie-Pop/Rock-Genre noch immer dem Aussterben entzieht. Mitunter scheint es beinahe so, als ob mit einer schier unübersichtlichen Flut an Bands, die wie Unkraut aus dem Boden sprießen, ein im Grunde genommen längst obsolet gewordenes Bedürfnis nach Profilierung mittels Stoffbeutel und Hornbrille künstlich am Leben erhalten werden soll. Kurzweil steht weit oben im Kurs eines Schlages von Musik, in dem, seit seiner erfrischenden Reanimierung durch Franz Ferdinand und Maximo Park, kaum mehr als ein Flirren in der Luft zu vernehmen ist. Die alten Pfade sind ausgetreten, dennoch erweckt die mediale Zweitverwertung den Anschein lukrativ zu sein, mindestens für den Moment. Werbe- und Sponsorendeals winken mit stattlichen Etats und erküren die nächste x-beliebige Indie-Band zum Hype-Thema. In musikalischer Hinsicht ist die Erkenntnis jedoch eher ernüchternd: der Eklektizismus ist programmatisch, was bleibt, ist lediglich die Frage danach, wie offensichtlich wo kopiert wird.
The Ting Tings – "Hang It Up"
Mehr Videos von The Ting Tings auf tape.tv!
Eine Tendenz, welcher die Ting Tings – wie schon Unzählige vor ihnen – ein Gesicht verleihen. "Sounds From Nowheresville", der Nachfolger zum überaus erfolgreichen Debüt "We Started Nothing", steht in frappierender Weise Pate für den Status Quo subkulturell verankerter Popmusik anno 2012. Ein Album wie eine Playlist sollte es werden, eines bei dem jeder Titel die Frage aufwirft: sind das noch die Ting Tings? So jedenfalls erklärt Jules de Martino das Konzept dieser Identitätsverleugnung par excellence. Der gewünschte Effekt von augenscheinlicher Vielseitigkeit schlägt ob seiner schnöden Konstruiertheit allerdings schlichtweg ins Gegenteil um, da die Platte eher eine beeindruckende Sammlung popmusikalischer Klischees verköpert.
Da ist der dröge wummernde 4/4-Beat im Opener "Silence", der die Clubtauglichkeit unter Beweis stellt, das unerträgliche Glockenläuten in "Hit Me Down Sonny", für das Wham! gehörig Tantiemen kassieren dürften und über allem thront Katie Whites quengelnde Stimme, deren ehemalige Riot Grrrl-Attitüde inzwischen eher einer latenten Gemütsverstimmung gewichen ist. "Hang It Up" erinnert dann samt peinlicher Rap-Einlage an eine phlegmatische Fassung von Run DMCs "Walk This Way". Und als wäre es nicht schon genug, serviert man – wie um dem Vorzeige-Individualismus die Krone aufzusetzen – mit "Soul Killing" doch allen Ernstes eine Reggae-Nummer, die rhythmisch mit dem nervenaufreibenden Kopulationsquietschen eines Bettgestells unterlegt ist.
The Ting Tings - "Silence" (Bag Raiders Remix)
Am Ende dieser knapp halbstündigen Reise stellt sich schlussendlich die Frage, wer denn, bei all dieser babylonisch zur Schau getragenen Variationsbreite, die eigentlichen Ting Tings sind. Die Antwort bleibt jedoch offen und so ist "Sounds From Nowheresville" der durchaus adäquat formulierte Titel einer Platte, die leider kaum mehr repräsentiert als den Beweis der Perspektivlosigkeit einer musikalischen Gattung.
Robert Henschel
VÖ: 24.02.2012
Label: Columbia/Sony
Tracklist:
01. Silence
02. Hit Me Down Sonny
03. Hang It Up
04. Give It Back
05. Guggenheim
06. Soul Killing
07. One By One
08. Day To Day
09. Help
10. In Your Life

(Foto: Sony Music)
Es ist ein absonderliches Phänomen, mit welcher Unverwüstlichkeit sich ein seit Jahren übersättigtes Indie-Pop/Rock-Genre noch immer dem Aussterben entzieht. Mitunter scheint es beinahe so, als ob mit einer schier unübersichtlichen Flut an Bands, die wie Unkraut aus dem Boden sprießen, ein im Grunde genommen längst obsolet gewordenes Bedürfnis nach Profilierung mittels Stoffbeutel und Hornbrille künstlich am Leben erhalten werden soll. Kurzweil steht weit oben im Kurs eines Schlages von Musik, in dem, seit seiner erfrischenden Reanimierung durch Franz Ferdinand und Maximo Park, kaum mehr als ein Flirren in der Luft zu vernehmen ist. Die alten Pfade sind ausgetreten, dennoch erweckt die mediale Zweitverwertung den Anschein lukrativ zu sein, mindestens für den Moment. Werbe- und Sponsorendeals winken mit stattlichen Etats und erküren die nächste x-beliebige Indie-Band zum Hype-Thema. In musikalischer Hinsicht ist die Erkenntnis jedoch eher ernüchternd: der Eklektizismus ist programmatisch, was bleibt, ist lediglich die Frage danach, wie offensichtlich wo kopiert wird.
The Ting Tings – "Hang It Up"
Mehr Videos von The Ting Tings auf tape.tv!
Eine Tendenz, welcher die Ting Tings – wie schon Unzählige vor ihnen – ein Gesicht verleihen. "Sounds From Nowheresville", der Nachfolger zum überaus erfolgreichen Debüt "We Started Nothing", steht in frappierender Weise Pate für den Status Quo subkulturell verankerter Popmusik anno 2012. Ein Album wie eine Playlist sollte es werden, eines bei dem jeder Titel die Frage aufwirft: sind das noch die Ting Tings? So jedenfalls erklärt Jules de Martino das Konzept dieser Identitätsverleugnung par excellence. Der gewünschte Effekt von augenscheinlicher Vielseitigkeit schlägt ob seiner schnöden Konstruiertheit allerdings schlichtweg ins Gegenteil um, da die Platte eher eine beeindruckende Sammlung popmusikalischer Klischees verköpert.
Da ist der dröge wummernde 4/4-Beat im Opener "Silence", der die Clubtauglichkeit unter Beweis stellt, das unerträgliche Glockenläuten in "Hit Me Down Sonny", für das Wham! gehörig Tantiemen kassieren dürften und über allem thront Katie Whites quengelnde Stimme, deren ehemalige Riot Grrrl-Attitüde inzwischen eher einer latenten Gemütsverstimmung gewichen ist. "Hang It Up" erinnert dann samt peinlicher Rap-Einlage an eine phlegmatische Fassung von Run DMCs "Walk This Way". Und als wäre es nicht schon genug, serviert man – wie um dem Vorzeige-Individualismus die Krone aufzusetzen – mit "Soul Killing" doch allen Ernstes eine Reggae-Nummer, die rhythmisch mit dem nervenaufreibenden Kopulationsquietschen eines Bettgestells unterlegt ist.
The Ting Tings - "Silence" (Bag Raiders Remix)
Am Ende dieser knapp halbstündigen Reise stellt sich schlussendlich die Frage, wer denn, bei all dieser babylonisch zur Schau getragenen Variationsbreite, die eigentlichen Ting Tings sind. Die Antwort bleibt jedoch offen und so ist "Sounds From Nowheresville" der durchaus adäquat formulierte Titel einer Platte, die leider kaum mehr repräsentiert als den Beweis der Perspektivlosigkeit einer musikalischen Gattung.
Robert Henschel
VÖ: 24.02.2012
Label: Columbia/Sony
Tracklist:
01. Silence
02. Hit Me Down Sonny
03. Hang It Up
04. Give It Back
05. Guggenheim
06. Soul Killing
07. One By One
08. Day To Day
09. Help
10. In Your Life
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