Anschlag auf Wuppertaler Club vor Sizzla-Konzert

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Die anhaltenden Proteste gegen die aktuellen Live-Auftritte des umstrittenen Dancehall-Künstlers Sizzla eskalierten in der Nacht von Freitag zu Samstag (28.11.2009) in Wuppertal in Form eines Buttersäure-Anschlags. Wie auch in Berlin (motor.de berichtete) gab es bereits vor der Show des Jamikaners im Wuppertaler U-Club heftige Diskussionen über die Entscheidung der Clubleitung, das Konzert trotz der Homophobie-Vorwürfe zu veranstalten. "Es besteht kein Zweifel an der Fragwürdigkeit so mancher persönlicher Meinungen der Künstler der Dancehall-Szene. Auf unserer Bühne jedoch (...) gibt es keine Hass- und Gewaltpredigten. Homophobie ist ebenso wie Rassismus und Sexismus bei uns unerwünscht", so die Pressemitteilung des U-Clubs vom 19.11.2009.

Die Veranstalter betonten ihre musikalische Verbundenheit zu Reggae und Dancehall und hielten weiterhin im Vorfeld der Show fest: "Um jedoch unter den gegebenen Umständen überhaupt weiterhin Reggae- und Dancehallkonzerte und Parties machen zu können, müssen wir (In diesem Fall: wir alle, die deutsche Dancehallszene: Künstler, Veranstalter und Publikum!) Alternativen zum Auftrittsverbot finden."

Nachdem bereits die Fassade des Veranstaltungsortes mit Slogans beschmiert worden waren, kam es schließlich in der besagten Nacht zu dem extremeren Übergriff. Unbekannte verübten einen Anschlag mit Buttersäure, die zwischen vier und sieben Uhr morgens in die Luftüngungsschächte des Clubs eingebracht wurde. Die Täter verschafften sich außerdem Zugang zu den Räumlichkeiten und warfen die für das Konzert bestimmten Absperrgitter in die Wupper. Der Schaden konnte jedoch bis zum Abend behoben werden und das Konzert stattfinden.

Während der Veranstaltung versammelten sich circa 80 Demonstranten vor dem U-Club, der danach "ein sehr gutes, innerhalb des Clubs harmonisches Konzert" billanzierte. Sizzla habe sich streng an den Reggae Compassionate Act gehalten, ein Abkommen in dem sich verschiedene Reggae- und Dancehallkünstler gegenüber der Initiative "Stop Murder Music!" verpflichteten, zukünftig homosexuellen-feindliche Texte in ihren Songs zu unterlassen. Auch der deutsche Reggae-Musiker Gentleman bekundete während der Show überraschend seine Solidarität, indem er spontan auf der Bühne erschien und einen Song mit Sizzla performte. Vor der Tür sei es, nach Angaben der Veranstalter jedoch zu "wirklich üblen Beschimpfungen seitens der Autonomen, der Antifa und der Grünen Jugend" gekommen.



In einem Offenen Brief äußerte der U-Club nach der Veranstaltung großes Bedauern über den Verlauf der Proteste, erklärte aber auch: "Trotz dem Kontrast zwischen der im Club erlebten harmonischen Atmosphäre und der teilweise agressiven Stimmung vor der Tür (...) solltet ihr eins nicht vergessen: Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Das dem zugrunde liegende eigentliche Anliegen ist legitim und muss ernst genommen werden. Homophobie ist ein Problem (...)."

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