Little Dragon: Ritual Union

Damon Albarns Lieblingsband Little Dragon sind Alleskönner: Auf "Ritual Union" erschaffen die Schweden einen futuristischen Pop, der nicht nur mit der Tanzfläche flirtet.

Ein Hauch von 1968 weht durch die Biografie dieser Band. Denn wird man mit dem Wort Künstler-Kommune konfrontiert, dürften die vorschnellen Assoziationen ungefähr so aussehen: wir stellen uns eine morbide, drogen-versiffte, hyper-pazifistische Wohngemeinschaft vor. Ein Hort, wo dem Eskapismus gefrönt wird. Wo man auf die große Idee wartet, die letztlich – wie sollte es anders sein – die ganze Welt verändern wird. Dass diese Vorstellung dermaßen gestrig ist, beweist einmal mehr die Band Little Dragon. In Göteborg kennengelernt, wuchs das schwedische Quartett zwar in einer kreativen Umgebung auf. Dort, und damit ist die Kommune "Seal Colony" gemeint, wurde die Idee der Zivilisierung jedoch in eine gemeinsame, kollaborative Beflügelung überführt.

Little Dragon geht es jedoch um die Zukunft. Genauer gesagt: die Zukunft des Pop. Auf ihrem Album "Ritual Union" reduzieren sie ihre elektronische Musik nochmals und heben sie gleichsam auf eine neue Ebene: mehr Uptempo statt Downtempo, mehr Fusion statt Trennung. Der Volksmund würde sagen, dass die Schweden auf den elf neuen Songs experimentieren. Dabei geht es ihnen vielmehr um Verschmelzung, so als ob die einzelnen Zutaten zu einem phonetischen Amalgam zusammengeführt werden. Schon beim Titeltrack werden zahlreiche Synthesizer- und Keyboardschichten gekonnt übereinander gelegt, ehe Yukimi Naganos wundersame Stimme von endlosen Beat-Loopings eingehüllt wird.

Little Dragon – "Ritual Union" (live)


Ist es beim Opener ein poppiger Soul, so mausert sich "Little Man" mit seinen 8-Bit-Bässen zu einem futuristischen Boogie. Unbeschwert, leichtfüßig, sexy – Little Dragon machen aus wenig äußerst viel. Der Grund für das überzeugend bunte Potpourri geht auf eine einfache Formel zurück: Durch die Symbiose aus analogem Equipment und digitalen Fertigkeiten werden zunächst pointierte Kulissen aufgebaut, die nach und nach mit lebhaften Ideenreichtum gefüllt werden.

Während technoide Tracks das Tanzbein einzuladen wissen ("Crystalfilm"), gehen andere den direkten Weg: "Please Turn" erinnert mit seinen dröhnenden Texturen und der monotonen Gangart beinahe an klassische 80er-Jahre-Hymnen. Egal ob verspielte Electronica, altbackener Funk oder artifizieller R'n'B – die Schweden entpuppen sich als stil-sichere Genre-Hopper. Über allem schwebt die narkotisierende und äußerst flexible Stimme von Yukimi Nagano. Immer wieder wird diese in einen Hall-Korridor geschickt, um später als mehrstimmiger Chor wieder aufzutauchen. Selbst bei der jazzigen Autotune-Nummer "When I Go Out", die vertonte Möglichkeit des Tagtraums, bezaubert ihr Timbre trotz aller Digitalität.

Little Dragon – "When I Got Out"

Dass Damon Albarn das Quartett für das letzte Gorillaz-Album ins Studio lud, überrascht nicht wirklich, ist der Brite doch unentwegt am alternativen Pop und seiner Durchdringung interessiert. Mit "Ritual Union" hinterlassen Little Dragon einen nicht zu vernachlässigenden Fußabdruck im Bereich des elektronischen Pops. Und um es der Vollständigkeit halber zu erwähnen, man hört hier Prince, Lali Puna und Róisín Murphy – ja, aber vor allen Dingen Little Dragon. 


Sebastian Weiss


: 15.07.2011

Label: Peaceforg / Rough Trade

Tracklist:
01. Ritual Union

02. Little Man

03. Brush the Heat

04. Shuffle a Dream

05. Please Turn

06. Crystalfilm

07. Precious

08. Nightlight

09. Summertearz

10. When I Go Out

11. Seconds



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