Big Sir: Before Gardens After Gardens

Unterkühlte Smoothness zwischen Trip-Hop und experimentellem Alternative: Das Duo Big Sir bleibt seinem entspannten Habitus treu, genießt trotz neuer Abenteuer die Lust am Imperfekten.

(Foto: Marianne Williams, Sargent House)

Das redundante Problem des Überangebots: Über zehn Jahre gibt es die Band Big Sir aus Los Angeles bereits. Seit mehr als einer Dekade stehen Juan Alderete und Lisa Papineau für eine eigenwillige Mischung zwischen Trip-Hop, experimenteller und alternative Klangstrukturen. In diesem Monat erschien ihr bereits drittes Album. Dass das Echo auf die Veröffentlichung hierzulande kaum ein Echo hervorrief, darf als beklagenswerter Umstand gewertet werden.

Dabei ist ihr gemeinsamer Werdegang von namenhaften Künstler umgeben: Er, jahrelanger Bassist bei The Mars Volta, kreativer Saitenzupfer bei zahlreichen Soloplatten von Omar Rodriguez-Lopez. Sie, Wahl-Pariser Songschreiberin, die bereits mit Air, M83 und RX Bandits zusammenarbeitete. Die beiden Amerikaner gaben 2000 ihr Debüt heraus und zeigten spätestens mit dem 2006er "Und die Scheiße Ändert Sich Immer" mit welcher Verve die beiden an ihren eigenen Klangexperimenten arbeiten.

Big Sir – "Before Gardens After Gardens" (Albumstream)


Dass das Duo die gemeinsame Vorliebe für HipHop, 70er-Jahre Rock und den Anfängen von New Wave verbindet, ist dem neuen Album "Before Gardens After Gardens" nur bedingt anzumerken. Papineau und Alderete begeben sich auf ein melodiöses Territorium, das in keine Schublade passen will. Mit der Eröffnung "Regions" legen Big Sir ihre Talente allerdings zweifellos offen: Stimmüberlagerungen gehen hier eine erquickende Symbiose mit pulsierendem Bassspiel ein. Vor allen Dingen Papineaus Volumen weiß ein beeindruckendes Spektrum anzubieten – zwischen säuselndem, beinahe flehendem Duktus ("The Kindest Hour") und expressivem Strotzen ("Ready On The Line") braucht sie sich vor Vergleichen mit Björk und Beth Gibbons nicht zu scheuen.

Juan Alderete hingegen verleiht dem Album den gewissen Groove. Mal mit stoischer Ruhe, mal mit dem gewissen Gespür für Tempowechsel weiß der Mann mit dem Fender Jazz Bass die richtigen Pointen zu setzen. Und auch wenn sich der Großteil der elf Songs aus dem Downtempo-Tunnel heranpirscht, hält das Zweiergespann indes genügend Überraschungen bereit, um nicht in die Lounge-Musik-Sackgasse zu geraten. Während sich Alderete auf "Right Action" als Klang-Pfarrer probiert, indem er trippelige Drum'n'Bass-Patterns mit einer dem Funk nicht unähnlichen Magie vermählt, kommen hin und wieder gerne mal Computer, Violine oder Drum-Maschinen zum Einsatz, ohne jedoch wirklich die Regie zu übernehmen.

Big Sir – "Regions" (live)

Auch wenn es dem Album ein wenig an einer stringenten Dynamik mangelt, wird "Before Gardens After Gardens" von einer unterkühlten Smoothness getragen, die dieses Duo seit jeher auszeichnete. Und selbst wenn die zahlreichen Gastfeatures – von Cedric Bixler-Zavala (endlich wieder als Schlagzeuger zu hören) über Broken Bells-Bassist Jonathan Hischke bis hin zu befreundeten Kollegen wie Matthew Embree und Mars Volta-Drummer Deantoni Parks – ein anderes Bild vermitteln, so exemplifiziert die LP vor allen Dingen die große Stärke von Big Sir: das Auftreten als geschlossene Einheit, als Verbund kreativer Gleichgesinnter, auf der Suche nach dem etwas anderen Flow. Oder wie Papineau meint: "Continuing to trust some of the 'mistakes' in demos, because the occasional glitches and weird squawks feel groovier than perfection."


Sebastian Weiß

VÖ: 10.02.2012

Label: Omar Rodriguez-Lopez Productions / Rough Trade

Tracklist:

01. Regions
02. Ready On The Line
03. Infidels
04. Right Action
05. The Ladder
06. The Kindest Hour
07. Old Blood
08. Born With A Tear
09. Be Brave Go On
10. Our Pleasant Home
11. 1 Thousand Petals


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