CallmeKat: Where The River Turns Black

Dass die vielen Soundknöpfe am Keyboard als wesentliche Zutat eines experimentellen, einzigartigen Klangs verwendbar sind, beweist CALLmeKAT.

(Foto: Elisabeth Dahlberg)

Früher war nicht alles schlechter, musikalisch sogar einiges besser – das dachte sich die Kopenhagenerin Katrine Ottosen alias CALLmeKAT scheinbar auch und wühlte für ihr Debüt „Where The River Turns Black“ ganz tief in den verstaubten Klangwelten ihres Keyboards. Bei dieser Suche entdeckte die Dänin das Klanggerüst der Hammond-Orgel für sich, bereicherte es mit Xylophon-Tonläufen und erweiterte die zarten Melodien mit wilden Rhythmen. Herausgekommen ist ein eindrucksvoller LoFi-Pop, der die Symbiose aus elektronischen und natürlichen Elementen gekonnt herstellt.

In den amerikanischen Catskill Mountains standen ihr bei der Produktion anerkannte Musiker zur Seite – als Schlagzeuger unterstützte sie Joe Magisto (Prophet Omega) und die groovigen Basslines stammen aus der Hand von Sara Lee (The B 52s). Sie geben ein harmonisches Dreiergespann ab, das vom Sound zwar an Künstlerinnen wie Feist oder Lykke Li erinnert, dabei aber stets seine Eigenheit bewahrt.

CALLmeKAT - "Where The River Turns Black" Das Instrumentarium klingt intuitiv und direkt, die einprägsame Stimme der Songwriterin klingt natürlich, wodurch das Gefühl entsteht, einer Jam-Session beizuwohnen. So beispielsweise im Titeltrack "Where The River Turns Black": die Musik setzt mit einer mitreißenden Bassline ein und wird im nächsten Takt mit Schellenring und beschwingten Hammond-Orgel erweitert. Dazu kommt der reduzierte, unverblümte Gesang Ottosens. Das Lied reift im Verlauf der Takte durch das Duett von einsetzenden Bläsern – eingespielt von Sigur Rós-Tour-Posaunist – und jauchzenden Chören im Refrain. Es liegt Leichtigkeit in der Luft, die gute Laune versprüht.

Dieses wohlig-warme Gefühl zieht sich mit Songs wie "Sunny Day"und "Tiger Head" durch die gesamte Platte, wenngleich auch weniger sonnige Seiten dargeboten werden. "Broken House" zeigt, dass ihre Stimme auch bluesähnliche Momente der Verzweiflung aufweisen kann. Umgeben von knarzigen Blechbläsern und leiernder Orgel brüllt sie zu Beginn des Chorus "You're in a broken house / you just want to break out" ins Ohr des Hörers, um ihren Gesang schließlich resigniert und sanft säuselnd mit den Worten "And I wish you could" zu beenden.

CALLmeKAT - "Tiger Head" Ihr erster Langspieler beweist, dass melodiös-analoges Piano und wild-schepperndes Schlagzeug nicht zwangsläufig widersprüchlich sein müssen, sondern wunderbar miteinander korrespondieren können. Als verbindendes Element dient in diesem futuristischen Klangwald das eigenwillige Timbre ihrer Stimme, die CALLmeKAT zu einer unverkennbaren Komponistin macht. Ihre berühmten Nachbarsdamen können sich nach diesem Album in jedem Fall warm anziehen, denn die adrette Dänin ist hiermit auf der musikalischen Überholspur angelangt.


Sophie Lagies


VÖ: 06.04.2012

Label:
Questions & Answers

Tracklist:
01. Somewhere
02. Where The River Turns Black
03. Sunny Day
04. Glass Walls
05. You Don't Know
06. Broken House
07. Tiger Head
08. Going Home
09. The Haze
10. Dead Of Winter
11. Heart Full Of Soul
12. Black Ink


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