Turntablerocker: Einszwei

Das Comeback der Turntablerocker ließ im Vorfeld hoffen, doch enttäuscht mit einfallslosen Songs und überproduzierten Sound, der die Magie der alten Werke vermissen lässt.

(Foto: Universal Music)

Wie gerne denken wir zurück: Vor fast genau zwölf Jahren erschien ein Song, der den Hörer von Anfang an in seinen Bann zog. Ein grooviger Beat, eine eingängige Pianomelodie und Samples, die den Funk bereits in sich trugen. Im dazugehörigen Musikvideo jammte ein etwas zu dick geratener Maulwurf für Kleingeld und Pinguine performten eine eigene Tanzchoreographie — mit der Single "No Melody" konnten die Turntablerocker auch die letzten Kritiker überzeugen. Nach mehr als einem Jahrzent, in dem Michi Beck und Thomas 'Thomilla' Burchia nur noch als DJ-Team unterwegs waren, gingen sie wieder ins Studio und liefern nun mit dem neuen Album "Einszwei", nach eigener Aussage, ein Konzeptalbum — den Soundtrack für eine gesamte Partynacht.

Schon schnell wird deutlich, dass die relativ minimalistischen Elektro-Stücke der Vergangenheit angehören. Dafür wurde umso mehr auf synthetische Filter und Elemente gebaut, was den Klang deutlich unnatürlicher erscheinen lässt. Der Hörer wird mit einfallslosen Sounds sowie übertriebenen Effekten penetriert. Sind das wirklich noch die funkigen Turntablerocker von einst? So erinnert der Langspieler an platte Disco-Hits der 80er/90er, an schlechte Produktionen und wirkt dabei wie ein wirrer Mix aus den frühen Tagen von Deichkind, Lützenkirchen und — unüberraschenderweise – an die Textführung der Fantastischen Vier, was angesichts von Michi Becks Mitwirkung nicht wirklich verwundern dürfte. Die lyrischen Ergüsse sind dennoch eher peinlich als lustig, geschweige denn clubtauglich. Die Songs sind durchzogen von Melodien, die in ihrer Simplizität glatt von Dieter Bohlen oder Stefan Raab komponiert sein könnten, ergänzt durch einen unangenehm gepitchten, echobeladenen sowie verzerrten Gesang von Michi Beck.

(Foto: Alexander Gnädinger)

Die Turntablerocker mit deutschen Texten sind gut und schön, wenn sie zumindest einen Hauch von Sinn ergeben würden. Mehr als zusammenhangslose Wortgruppen ("Leider Nein"), langatmige Wiederholungen ("Von Vorn") oder Zeilen wie "Zu dir, zu mir, zu lang nicht hier. Zu viel Gefühl, zu wenig Zeit." ist leider nicht zu erwarten. Verpackt in überproduziertem Großraumdisco-Sound ist wenig von dem geblieben, wofür die beiden einmal standen. Selbst Gastmusiker wie Miss Platnum oder Ex-Eurodisco-Chanteusse Vanessa Mason können da nicht wirklich viel rausreißen. Die Single "Alles Auf Die 303", die ein wenig zu sehr an Lützenkrichens "Drei Tage Wach" erinnert, wirkt da fast wie die Personifizierung der mangelnden Kreativität.

Turntablerocker - "Alles Auf Die 303"

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All jene, die noch die alten Werke der Jungs in Erinnerung haben, werden wahrscheinlich enttäuscht sein, für alle anderen ist es einen Versuch wert. Vielleicht sehen wir die Beiden im deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest oder beim ECHO 2013 wieder – eine zweifelhafte Ehre, aber durchaus vorstellbar. Die Frage nach dem Warum stellt sich zwangsläufig und wird durch diverse Textpassagen direkt beantwortet: "Wir wollten nie zurück", aber lasst es uns "noch einmal spüren". Sehr einsichtig gestehen sie sich aber ein: "Die Zeit ist um, es geht vorbei […] niemand weiß wie's weitergeht". Am Ende ist es einfach nur "gut gemeint". 


René Tauschke

VÖ: 30.03.2012

Label: Universal Music/Domestic Pop

Tracklist:

01. Einszwei
02. Gut Gemeint
03. Leider Nein
04. Wie Ich
05. D.W.I.E.S. (Die Welt Ist Eine Scheibe)
06. Immer Das Gleiche
07. Zu Viel
08. Déjà-Vu
09. Gold
10. Alles Auf Die 303
11. Zusammen Mit Dir
12. Von Vorn


Tags alles auf die 303 disco disko einszwei electro electronic electronica groove michi beck thomalla trip-hop turntablerocker

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