Soniamiki: SNMK

Minimalismus aus Polen: Zosia Mikucka macht mit ihrem Projekt Soniamiki reduzierten Electro-Pop, der kaum Richtung Tanzfläche schielt. Gesang, Bass, Schlagzeug – drei Zutaten, ein zurückhaltendes Album.  

(Foto: Anja Pietsch)

Eine Animationsfilmerin, die nun Musik macht, läuft einem auch nicht jeden Tag über den Weg. Zosia Mikucka kommt aus Lodz. Die bewegten Bilder, die sie auf den bekannten Plattformen veröffentlicht hat, sind traurige Bilder. Familiengeschichten spielen eine große Rolle, die sie in schwarz-weiße Kulissen mit beinahe kindlicher Naivität hüllt. Als Soniamiki veröffenlicht die junge Polin nun ihr zweites Werk "SNMK". Vierzehn Songs, vierzehn Kurzgeschichten, vierzehn mehr oder minder schattige Anekdoten über das Leben.

Mikucka sei ein autodidaktisches Talent heißt es. Das Prinzip des Herantastens ist ihrer elektronischen Musik anzuhören. Ihr geht es nicht um die Tanzbarkeit oder gar um das perfekte Pop-Lied. Nein, die großen Massen spricht sie mit liebreizenden Songs wie "Lemoniada" oder "Japamin" nicht an. Reduktion ist eher ihr Ding. Lebensgefährte Lukasz Lach spielte zwar live das Schlagzeug ein, doch Tonmann Lukas Leonhardt hat dem knalligen Sound einen Schleier verpasst, dass tatsächlich Assoziationen zu simplen Drum Machines kommen. Klar, das mieft nach 80er-Jahre, dennoch hinterlässt "SNMK" keine weitere Visitenkarte beim Retrodebatten-Stammtisch. Getragen wird das Album von beidem, Mikuckas Stimme und ihrem unbedingt entspannten Bassspiel. Sowohl die Rhythmen als auch die feinen Melodien sind abgehackt, sehr brüchig und labil – der Minimalismus hinterlässt jedoch niemals eine imperfekte Stimmung, vielmehr zeigt ein schwerfälliger Song wie "Morze Jutro", das hier eine Frau am Werk ist, die ein anderes Popverständnis aufweist, als die gängigen Tanzflächen-Balz-Girlies.

Soniamiki – "O Samolot" 



Dass der polnische Gesang niemals missfällt oder beim Hörerlebnis lähmt, sondern sogar ein exotisches Appeal versprüht, ist das große Plus. Nach nur wenigen Klängen ist sowohl Bass als auch Beat verstanden, die Stimme kann sich entfalten, das Zuhören wird nicht zur Herausforderung, eher: entkrampftes Einlassen auf die Ästhetik der Dezimierung. Soniamiki ist ein höchst unabhängiges Projekt. Das allein ist noch keine Nachricht, doch die bewusste Entscheidung gegen die eigene Mainstreamisierung ist ein tolles Statement. Die Mikrokosmen, in denen sich Mikucka bewegt, lassen zwar Pop zu, hier und dort wird auch eine komplexere Idee angedeutet, nur um sie für die Einfachheit der Musik wieder aufzugeben. "SNMK" heißt mit Würde stolpern. Wunderschön.


Sebastian Weiß

VÖ: 02.11.2012

Label: moanin’

Tracklist:

01. Lemoniada
02. O Samolot
03. Kate
04. Morze
05. Kinokosmos
06. Night Is So Safe
07. Japamin
08. Jesien Na Hawajach (Hawai)
09. Morze Jutro
10. Różowe
11. Dance Alone
12. Wiem Nie
13. That's Not My Thought
14. All Their Dance




Tags electro electronica experimental lukas leonhardt minimal polen polish artists polskie pop snmk soniamiki zosia mikucka

Artikel kommentieren

Kommentare von Disqus

Weitere Soniamiki News

Eine Uhura Website